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Baukasten oder individuelle Website? Eine ehrliche Rechnung über 5 Jahre
„Brauche ich überhaupt jemanden für meine Website? Es gibt doch Wix." Die ehrliche Antwort vorweg: Manchmal ist ein Baukasten tatsächlich die richtige Wahl. Aber die Werbung mit „Website ab 9 € im Monat" erzählt nur die halbe Geschichte.
In diesem Artikel rechne ich beide Wege einmal komplett durch – über fünf Jahre, mit allen Kosten, die in den Hochglanz-Prospekten nicht auftauchen.
Was Baukästen wirklich kosten
Die Einstiegspreise klingen verlockend. Hier die aktuellen Listenpreise der beiden bekanntesten Anbieter (Stand Juli 2026, jeweils pro Monat bei Jahreszahlung):
| Anbieter / Tarif | Preis pro Monat | Das Wichtigste |
|---|---|---|
| Jimdo Start | 9 € | Werbefrei, 10 Unterseiten, 5 GB Speicher |
| Jimdo Grow | 15 € | 50 Unterseiten, 5 E-Mail-Konten |
| Jimdo Grow Legal | 20 € | Wie Grow, plus Rechtstexte-Manager |
| Wix Light | 9 € | Eigene Domain, 2 GB Speicher, kein Shop |
| Wix Core | 17 € | 50 GB Speicher, Online-Zahlungen |
| Wix Business | 29 € | Erweiterter E-Commerce |
Für eine werbefreie Firmen-Website mit eigener Domain, ein paar E-Mail-Adressen und genug Unterseiten landen die meisten Betriebe realistisch nicht im 9-€-Tarif, sondern bei 15 bis 29 € pro Monat – also 180 bis 348 € im Jahr. Und das ist erst der Anfang der Rechnung.
Die Kosten, die auf keiner Preisseite stehen
1. Ihre eigene Arbeitszeit. Der Baukasten baut die Website nicht – Sie bauen sie. Wer das zum ersten Mal macht, sitzt für eine ordentliche Firmen-Website schnell 30 bis 50 Stunden am Rechner: Texte schreiben, Fotos zuschneiden, Menüs sortieren, auf dem Handy testen, Impressum und Datenschutzerklärung zusammensuchen. Rechnen Sie Ihre eigene Stunde nur mit dem an, was Sie in der Zeit im Betrieb verdient hätten – dann kostet die „günstige" Website plötzlich vierstellig.
2. Preiserhöhungen. Baukasten-Anbieter erhöhen ihre Preise regelmäßig. Was heute 15 € kostet, kostet in drei Jahren erfahrungsgemäß mehr – und Sie können nicht ausweichen, denn:
3. Der Lock-in. Das ist der Punkt, den kaum jemand vor Vertragsabschluss bedenkt: Eine Baukasten-Website können Sie nicht mitnehmen. Es gibt keinen Export-Knopf, der Ihnen Ihre Seite als Paket übergibt. Wer den Anbieter wechseln will, fängt bei null an – neue Texte einpflegen, neues Design, alles noch einmal. Sie mieten Ihre Website, Sie besitzen sie nicht.
4. Datenschutz. Wix ist ein israelisch-amerikanisches Unternehmen, die Datenverarbeitung läuft teils über Server außerhalb der EU. Das ist lösbar, aber Sie müssen sich selbst darum kümmern, dass Cookie-Banner, Auftragsverarbeitungsvertrag und Datenschutzerklärung stimmen. Bei Jimdo (Hamburg) sieht es besser aus – der Rechtstexte-Manager kostet dann aber auch wieder 5 € Aufpreis im Monat.
Die 5-Jahres-Rechnung
Nehmen wir eine typische Handwerker- oder Vereins-Website: Startseite, Leistungen, Referenzen, Über uns, Kontakt, Impressum, Datenschutz. Kein Online-Shop.
Weg 1: Baukasten (selbst gebaut)
| Posten | Kosten über 5 Jahre |
|---|---|
| Tarif (z. B. 15 €/Monat, vorsichtig gerechnet ohne Preiserhöhung) | 900 € |
| Eigene Arbeitszeit beim Aufbau (40 Std., angesetzt mit 35 €/Std.) | 1.400 € |
| Laufende Pflege in Eigenregie (ca. 1 Std./Monat) | 2.100 € |
| Summe über 5 Jahre | ≈ 4.400 € |
Weg 2: Individuelle Website vom Entwickler aus der Region
| Posten | Kosten über 5 Jahre |
|---|---|
| Einmalige Entwicklung (ca. 20–25 Std. à 49 €) | 980–1.225 € |
| Hosting auf deutschem Server (ca. 8 €/Monat) | 480 € |
| Pflege & Änderungen (2–3 Std. pro Jahr nach Aufwand) | ca. 600 € |
| Summe über 5 Jahre | ≈ 2.100–2.300 € |
Das Ergebnis überrascht viele: Die individuelle Website ist über fünf Jahre nicht teurer, sondern deutlich günstiger – vor allem, weil Sie Ihre eigene Zeit nicht als kostenlos verbuchen sollten. Und am Ende der fünf Jahre gehört die Website Ihnen. Sie können mit den Dateien zu jedem Hoster und jedem Entwickler wechseln.
Wann der Baukasten trotzdem die richtige Wahl ist
Ehrlichkeit gehört dazu, deshalb klar gesagt – ein Baukasten passt, wenn:
- Sie nur eine digitale Visitenkarte brauchen: eine Seite mit Öffnungszeiten, Telefonnummer und Anfahrt, die sich jahrelang nicht ändert
- Sie Freude daran haben, selbst zu basteln, und Ihre Zeit dafür bewusst investieren wollen
- Ihr Projekt noch in der Testphase ist und Sie erst einmal für kleines Geld ausprobieren möchten, ob überhaupt jemand danach sucht
In diesen Fällen rate ich im Erstgespräch auch mal ganz offen: „Machen Sie das erst einmal selbst." Es wäre unseriös, Ihnen etwas anderes zu erzählen.
Wann sich individuell lohnt
- Ihre Website soll Anfragen bringen, nicht nur existieren – dann zählen Ladezeit, saubere Technik und gute Auffindbarkeit bei Google, und genau da schwächeln Baukästen
- Sie brauchen Funktionen jenseits der Schablone: Terminanfragen, Bildergalerien mit Struktur, einen internen Bereich, Formulare, die in Ihre Abläufe passen
- Sie wollen nicht jeden Monat zahlen, sondern einmal ordentlich investieren und danach nur noch kleines Hosting
- Ihnen ist wichtig, dass Ihre Daten auf einem deutschen Server liegen und die DSGVO-Seite von Anfang an sauber gelöst ist – warum das auch bei der Infrastruktur den Unterschied macht, steht im Beitrag „Eigener Server oder Cloud-Anbieter?"
Drei Prüffragen, bevor Sie sich entscheiden
- „Was passiert, wenn ich in drei Jahren wechseln will?" – Wenn die Antwort „alles neu bauen" lautet, wissen Sie, was Ihre Website wirklich kostet.
- „Wer pflegt die Seite in fünf Jahren?" – Eine ehrliche Antwort schlägt jede Hochglanz-Demo.
- „Was ist meine eigene Stunde wert?" – Rechnen Sie Ihre Bastelzeit mit. Immer.
Fazit
Der Baukasten ist nicht der Feind – er ist ein Werkzeug für einen bestimmten Zweck. Aber die Rechnung „9 € im Monat gegen 1.000 € beim Entwickler" ist eine Milchmädchenrechnung, weil sie Ihre Zeit, die Preiserhöhungen und den Lock-in unterschlägt. Über fünf Jahre gerechnet ist die individuelle Website aus der Region für die meisten Betriebe die günstigere und vor allem die eigene Lösung.
Unsicher, welcher Weg zu Ihrem Betrieb passt?
Im Erstgespräch rechnen wir Ihre konkrete Situation einmal ehrlich durch – auch wenn am Ende „machen Sie es selbst" dabei herauskommt.
Transparenz: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt und von Daniel Erhard fachlich geprüft und überarbeitet.