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Was kostet eine App für meinen Verein wirklich?

Vereinsvorstände wollen eine ehrliche Zahl hören – nicht „ab 0 €" und nicht „ab 9 900 €". Hier ist eine Kalkulation für drei reale Vereinsgrößen, basierend auf marktüblichen Stundensätzen und einem dokumentierten Referenzprojekt.

Daniel Erhard23. Juni 20269 Minuten Lesezeit

Wer als Vereinsvorstand das Thema „digitaler werden" angeht, kennt das Spiel: Eine kurze Google-Suche nach „Vereins-App Kosten" liefert zwei sehr unterschiedliche Antworten. Auf der einen Seite kostenlose Plattformen wie Spond, Easyverein oder Heinzelmännchen, die mit „ab 0 €" werben. Auf der anderen Seite kommerzielle Agenturen, die selten unter 9 900 € anfangen und gerne fünfstellig kalkulieren.

Dazwischen: nichts.

Genau diese Lücke füllt dieser Artikel. Ich rechne Ihnen anhand von drei realistischen Vereinsgrößen vor, was eine maßgeschneiderte Vereins-App wirklich kostet – einmalig in der Entwicklung und laufend im Betrieb. Die Stundenanzahl stammt aus realen Projekten ähnlicher Komplexität. Sie können die Zahlen sofort gegen jedes Angebot halten, das Sie bekommen.

Was eine Vereins-App können muss – und was nicht

Hier scheitern viele Angebote schon im ersten Anlauf. Sie bekommen eine Lösung mit 47 Modulen, von denen Ihre Mitglieder am Ende drei nutzen – und genau die drei, die Sie eigentlich brauchten, hätten in einer schlanken Lösung für einen Bruchteil des Preises ausgereicht.

Bevor Sie also über Preise reden, klären Sie für sich, was diese App wirklich leisten muss.

Was praktisch immer essentiell ist:

Was oft als „muss man haben" verkauft wird, aber selten wirklich gebraucht ist:

Eine Anekdote aus der Praxis

Warum dieser Filterprozess wichtig ist, zeigt mein erstes Referenzprojekt: die Classics Cocktailbar in Meiningen. Der Wunsch zu Beginn war minimal – eine Datenbank für Cocktailrezepte, damit das Personal hinter der Bar Zugriff auf die hauseigene Karte hat. Mehr nicht.

Erst beim Bauen kristallisierte sich heraus, dass dieselbe Datenbank auch als digitale Getränkekarte für Gäste am Tisch hervorragend funktionierte. Dann kam – Schritt für Schritt, aus echtem Bedarf, nicht aus Vorab-Konzeption – die Tischreservierung dazu. Dann die Bestellung am Tisch direkt durch den Gast. Dann Abrechnung, Dienstplan, Lagerverwaltung mit automatischer Einkaufsliste.

Das alles ist über etwa drei Monate organisch gewachsen – sporadisch erweitert, immer wenn sich im Betrieb eine neue Notwendigkeit zeigte. Wichtig dabei: das System war von Anfang an sofort produktiv nutzbar. Es musste keine „Version 2.0" abgewartet werden, bevor das erste Modul Geld verdiente. Heute ist es ein komplett vernetztes System, das vom ersten Getränk bis zur Schichtabrechnung alles erfasst, analysiert und kanalisiert.

Diese Reihenfolge ist die richtige: erst das eine Problem lösen, das wirklich weh tut, und dann organisch wachsen, wenn neue Bedarfe sichtbar werden. Genau das ist mit einer maßgeschneiderten Anwendung möglich – und genau das ist mit Plattformen, die einem starren Funktionsumfang folgen, nicht möglich.

Drei reale Vereinsgrößen mit Kalkulation

Kleiner Verein (50–100 Mitglieder)

Typische Beispiele: Schützenverein, kleiner Sportverein, Heimat- oder Geschichtsverein. Funktionsbedarf:

PositionAufwand
Konzept und Datenmodell-Entwurf2 Std.
Entwicklung Mitgliederliste, Kalender, Doku-Bereich8 Std.
Login, Rollen, Sicherheit2 Std.
Tests, Live-Schaltung, Mini-Schulung Vorstand2 Std.
Summe14 Std.
Einmalige Entwicklung
686 €
Laufende Kosten
~5 €
pro Monat · Server + Domain

Mittlerer Verein (100–300 Mitglieder, eine Sparte)

Typische Beispiele: Fußballverein einer Spielklasse, Musikverein, Kleingärtnerverein. Zusätzlich zum kleinen Setup:

PositionAufwand
Konzept und erweitertes Datenmodell3 Std.
Mitgliederliste plus Beitragsverwaltung6 Std.
Kalender mit Anmelde- und Bezahlerfassung5 Std.
Foto-Galerie und News-Bereich4 Std.
Rollensystem erweitern3 Std.
Tests, Live-Schaltung, Schulung4 Std.
Summe25 Std.
Einmalige Entwicklung
1 225 €
Laufende Kosten
~7 €
pro Monat · Server + Domain

Großer Verein (300+ Mitglieder, mehrere Sparten)

Typische Beispiele: Mehrspartiger Sportverein, Schützenkreis, größerer Gartenbauverein mit Untergruppen. Zusätzlich zum mittleren Setup:

PositionAufwand
Konzept inkl. Spartenstruktur5 Std.
Erweiterte Mitgliederverwaltung mit Sparten8 Std.
Beitragsverwaltung inkl. Online-Bezahlung10 Std.
Kalender mit Sparten-Filterung6 Std.
Galerie, News, Aushänge pro Sparte7 Std.
Push-Nachrichten und PWA-Setup6 Std.
Rollen- und Statistiksystem8 Std.
Tests, Live-Schaltung, mehrere Schulungen10 Std.
Summe60 Std.
Einmalige Entwicklung
2 940 €
Laufende Kosten
10–15 €
pro Monat · Server + Domain

Diese Zahlen können Sie ungeschönt als Erwartungshorizont mitnehmen. Mein realisiertes Referenzprojekt für die Classics Cocktailbar (Gast-App, Mitarbeiter-App, komplette Backend-Vernetzung) hatte einen vergleichbaren Umfang wie ein großer Verein mit Vollausstattung – und kam mit rund 60 Entwicklungsstunden hin.

Was Sie in diesen Zahlen nicht finden:

Die drei großen Mythen, die Sie Geld kosten

Mythos 1: „Eine Vereins-App muss im App-Store erhältlich sein."

Das stimmt heute schlicht nicht mehr. Moderne Web-Apps (auch Progressive Web Apps genannt) lassen sich auf jedem Smartphone mit zwei Klicks als Icon auf den Startbildschirm legen und sehen sich danach an wie eine ganz normale App – inklusive Vollbild-Darstellung und Push-Nachrichten. Was Ihnen damit erspart bleibt:

Für 95 Prozent der Vereinsanwendungen reicht eine gute Web-App vollkommen aus. Ich baue genau in dieser Form und habe seit Jahren keine Beschwerde von Anwendern bekommen, die „die App nicht im Store gefunden" hätten.

Mythos 2: „Wir nehmen die kostenlose Lösung – ist doch gratis."

Hier zahlen Sie nur nicht mit Geld, sondern mit Daten und Aufmerksamkeit Ihrer Mitglieder. Konkrete Beispiele:

„Kostenlos" bedeutet bei digitalen Diensten fast immer: Sie sind das Produkt. Bei einer Vereins-App heißt das oft: Ihre Mitgliederdaten werden zur Refinanzierung verwendet, ob durch Weitergabe an Werbepartner, durch eingeblendete Anzeigen oder durch sogenannte „Premium-Hinweise", die Vorstand und Mitglieder zur Buchung zahlungspflichtiger Stufen drängen.

Mythos 3: „Wir entwickeln selbst, ist günstiger."

Das stimmt nur unter drei Voraussetzungen, die alle gleichzeitig zutreffen müssen:

  1. Jemand im Verein hat das technische Wissen, eine App zu bauen.
  2. Diese Person hat Zeit, mindestens 60–100 Stunden über mehrere Monate.
  3. Diese Person bleibt dauerhaft im Verein und übernimmt die Wartung.

Sind nur zwei der drei Voraussetzungen erfüllt, wird das Projekt zur Hängepartie. Sind alle drei erfüllt: Glückwunsch, machen Sie es selbst und sparen Geld. In der Realität sind selten alle drei Bedingungen gleichzeitig gegeben – und am Ende steht oft eine halb-funktionale App ohne Ansprechpartner.

DSGVO – die unsichtbare Hürde, die kleine Vereine oft übersehen

Datenschutz ist auch für den 60-Personen-Schützenverein kein „nice to have", sondern Pflicht. Das Bußgeld bei einem Verstoß geht direkt an den Verein – also an die Vorstandsmitglieder, die im Zweifel persönlich haften.

Worauf Sie konkret achten müssen:

Bei einer maßgeschneiderten App auf eigenem deutschen Server sind diese Punkte standardmäßig erfüllt, weil Sie die Datenhoheit haben. Bei einer Plattform-Lösung müssen Sie für jeden einzelnen Punkt eine Auskunft beim Anbieter einholen und sie aktiv prüfen.

Fünf Fragen, die Sie vor jedem Angebot stellen sollten

Egal, ob das Angebot von mir, einer Agentur oder einer Plattform stammt: Diese fünf Fragen trennen seriöse von unseriösen Anbietern.

1. Wem gehören die Daten?
Antwort sollte sein: „Dem Verein." Nicht „uns als Anbieter mit Nutzungsrechten" und nicht „beiden gemeinsam".

2. Wie kann ich später wechseln?
Eine gute Antwort enthält konkrete Export-Formate (CSV, SQL-Dump, JSON) und am besten den Hinweis, dass alle Daten jederzeit übergeben werden können – ohne Sondergebühr.

3. Was sind die echten laufenden Kosten?
Lassen Sie sich eine 3-Jahres-Kostenschätzung machen. Bei Plattformen kommen oft Pro-Mitglied-Aufschläge, „Premium-Modul"-Buchungen oder Inflations-Anpassungen ins Spiel, die im ersten Jahr nicht sichtbar sind.

4. Wie viel davon ist Wartung, und wie viel ist Hosting?
Hosting ist heute Cent-Sache: ein passender Server kostet 5 bis 15 € pro Monat. Wenn ein Anbieter „50 € monatlich Hosting" verlangt, fließt der größere Teil in Marge – das ist legitim, sollte aber transparent sein.

5. Bekomme ich den Quellcode?
Bei mir: ja, nach Absprache wird der Quellcode übergeben – Sie sind dann von mir nicht mehr abhängig und können jederzeit zu einem anderen Entwickler wechseln. Auf Wunsch biete ich zusätzlich eine kleine Einweisung in den Quellcode an, damit der neue Entwickler (oder ein IT-affines Vereinsmitglied) den Aufbau versteht. Eine ausführliche schriftliche Dokumentation ist ebenfalls möglich; diese wird separat abgerechnet, weil der Aufwand stark vom Projektumfang und der gewünschten Tiefe abhängt – und falls eine gedruckte Variante gewünscht ist, kommen Druckkosten hinzu.

Bei den meisten Plattformen ist eine Quellcode-Übergabe schlicht nicht vorgesehen. Bei klassischen Agenturen oft Verhandlungssache und mit Aufpreis verbunden.

Wie geht es weiter?

Wenn Sie nach der Lektüre einen ungefähren Eindruck haben, was Ihre Vereins-App kosten könnte – und ob die maßgeschneiderte Variante für Sie passt – lade ich Sie zu einem kostenlosen Erstgespräch ein. Wir gehen konkret durch, was Ihr Verein braucht, was er nicht braucht, und Sie bekommen eine schriftliche Stunden-Schätzung mit Festpreis.

Mein Stundensatz liegt bei 49 € netto (Kleinunternehmer gemäß § 19 UStG, keine MwSt.-Ausweisung). Aufwand wird vorab geschätzt und schriftlich vereinbart, nicht hinterher abgerechnet. Erstgespräch und Angebot sind kostenlos. Wenn das Projekt zustande kommt, läuft alles transparent: nachvollziehbare Stundenliste pro Auftrag, monatliche Infrastruktur-Kosten zu Selbstkosten plus 10 % Verwaltungsaufschlag, kein Abo, keine Mindestlaufzeit.

Daniel Erhard ist Webentwickler mit Sitz in Rhönblick, Thüringen. Er entwickelt maßgeschneiderte Web-Apps und Webseiten für lokale Gewerbe, Vereine, Schulen und Einrichtungen – auf eigener Serverinfrastruktur in Deutschland, DSGVO-konform. Zwischen ihm und dem Auftraggeber gibt es kein Abo: die fertige App gehört dem Kunden. Wenn Ihr eigenes Geschäftsmodell ein Abo für Ihre Endnutzer vorsieht, baut er die entsprechende Funktion direkt in Ihre App ein. Daneben veröffentlicht er auch eigene Apps mit guten Grundfunktionen, die dauerhaft kostenlos und werbefrei nutzbar bleiben.